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  Wortlose Stille? „Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!“ (Ps 46,11)  

Im Dezember letzten Jahres schlenderten wir durch die geschmückten Gassen der historischen Altstadt Bad Wimpfens, wo es jährlich einen der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands gibt. Die Stadtverwaltung achtet darauf, dass der altdeutsche Markt – wie er genannt wird – dem Stil des Namens entspricht. Darum überraschte es uns als wir gerade dort mitten zwischen den Weihnachtssternen einen Buddha entdeckten.
Ähnlich ging es uns mit den Angeboten zum Jahr der Stille. Als Christen wünschen wir uns bewusster mit Gott zu leben und es ist gut sich zu besinnen. Jedoch fanden wir in dem Ideenheft zum hiesigen Jahr der Stille neben praktischen und guten Anregungen manche irritierenden Übungen, von denen uns mehrere an unsere Zeit als Buddhisten und Esoteriker erinnerten. So z.B. folgendes: „Stille werden im Leib… in der Seele… im Geist; einfach nur da sein, ganz da sein im Augenblick, ausruhen in der bergenden Gegenwart Gottes, nichts tun, nichts wollen, nichts denken, wie ein leeres Gefäß sein…“
Gerade das letzte erschreckte uns. Buddhisten meinen Erleuchtung zu erfahren, wenn sie alle Gedanken, alles Wollen aufgeben und ein leeres Gefäß werden. Gott dagegen möchte unser bewusstes Wollen nach ihm und keine leeren passiven Geschöpfe. Als leeres Gefäß ist es unmöglich den Rufen Jesu: Kommt zu mir, … wacht, betet, …folgt mir nach, zu gehorchen.
Zu unserem damaligen Denken gehörte auch die Annahme, durch Meditation in unserer Mitte anzukommen. Die Mitte sei der Ort unseres „göttlichen“ Kerns. Nun lesen wir in einem der Artikel: „Der Weg in meine Mitte ist ein Weg in die Tiefe meines Wesens, an den Ort, wo Gott schon auf mich wartet, mich empfängt und in seine Arme nimmt…“ Vielleicht sind wir (Martin und Elke) besonders schlimme Sünder. Wir glauben nämlich, wenn Gott die Tiefe unseres Wesens beleuchtet, werden wir einen Schrecken bekommen. Die innere Ruhe tritt erst dann wieder ein, wenn wir Buße getan und Vergebung erlangt haben. Davon ist im Jahr der Stille jedoch kaum die Rede.
Ja, in unserer hektischen Zeit brauchen wir mehr Stille. Es ist sicherlich notwendig, sich in regelmäßigen Abständen aus dem Alltagstrubel herauszuziehen, um sich den Reizen dieser Welt zu entziehen und sich an einem ruhigen Ort neu auf Gott zu besinnen. Aber sollen wir auf einen Rat im Ideenheft hören, ins Kloster gehen und die Bibel zuhause lassen?
Die regelmäßige herkömmliche „Stille Zeit“, worin das Lesen in der Bibel zentral steht, wurde im Ideenheft mehrfach kritisiert. Dagegen wurde das sogenannte „in sich hineinhorchen“ empfohlen.
Mag sein, dass ein Bibellesen aus reiner Pflicht am Ziel einer Begegnung mit Gott vorbeigeht. Ganz sicher sogar, wenn sein Wort als bekannt oder bloßer Buchstabe gesehen wird. Gott aber ohne seinem offenbarten Wort begegnen zu wollen, ist keine bleibende Alternative. Es ist vielmehr ein Ausdruck für den Einfluss des Geistes des New-Age. Gemäß der New-Age-Bewegung besteht die große Veränderung des Neuen Zeitalters darin, dass der Mensch nicht mehr Wissen über Gott haben muss, sondern aufgrund der „Erkenntnis seiner eigenen Göttlichkeit“ nur noch göttliche Erfahrungen braucht.
Dieser (Zeit-)Geist stellt uns Gott als eine unpersönliche, jederzeit verfügbare Kraft vor. Mit ihr könne sich der Mensch durch meditative Praktiken vereinigen. Es ist das unpersönliche Gottesbild fernöstlicher Religionen und der Mystik.
Die Bibel dagegen stellt Gott als persönlich, nicht manipulierbar vor. Er offenbarte sich im Sohn (Heb 1,1). Jesus war Gottes Wort in menschlicher Gestalt (Joh 1,14). Nachdem er von den Toten auferstanden war, legte er zwei enttäuschten Jüngern die Schriften aus. Ihre Reaktion war: ein brennendes Herz! (Lukas 24,32).
Ähnlich erging es uns am Anfang dieses Jahres nach dem Fertigstellen unseres Buches. Wir waren urlaubsreif und hätten uns am liebsten wie die Emmaus-Jünger, in unserem Haus verkrochen, statt einen mehrtägigen Unterricht an einer Kurzbibelschule abzuhalten. Doch unerwartet kamen unsere aufgescheuchten Seelen gerade dadurch zur Ruhe. Noch nie war es uns so deutlich wie dieses Mal, welch eine Quelle der Ruhe aus dem Wort Gottes fließt.
Der Psalmist schreibt: Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! (Ps 46,11). Ja, Gott ruft uns sogar zur Stille. Die Stille soll uns jedoch in die Gotteserkenntnis führen. Dazu kann der Rückzug aus einer hektischen Welt (vielleicht in einer Bibelfreizeit?) der nötigen Konzentration auf das Wort Gottes dienlich sein.



Martin und Elke Kamphuis
Hohe Strasse 700 Haus 1
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Zitat von Martin Luther (What Luther says, Ed. E. Plass Vol. 3, p.1462):
„Deshalb mahne ich euch vor solchen verderblichen Geistern, die sagen, ein Mensch empfängt den Heiligen Geist durch stilles Sitzen in der Ecke, auf der Hut zu sein. Hunderttausend Teufel wird er empfangen und nicht zu Gott kommen“

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