Tagung/Konferenz | Donnerstag 10.05.2018 10:30 Uhr | D-71723 Großbottwar

GateWay-Tag 2018 Spiritualität & Glaube

Sufismus – Islamische Mystik
Meist wird der Islam als eine typische Buch- und Gesetzesreligion betrachtet. Wie in allen Religionen gibt es allerdings auch im Islam eine mystische Bewegung, die als „Sufismus“ bezeichnet wird. Ihr Anliegen war es von Anfang an, die bloße Befolgung der Vorschriften des Islam durch tiefere Dimensionen des Glaubens zu erweitern.

Trotz der großen Unterschiede in den verschiedenen Sufi-Orden haben sie gewisse Überzeugungen gemeinsam. Grundlegend ist die Auffassung, dass der Mensch unterwegs ist und dass das Ziel das Aufgehen in Gott ist. Unter Anleitung des spirituellen Meisters macht der Schüler sich nun auf die Reise, sich von den Dingen dieser Welt zu lösen und sich stattdessen ganz auf die Liebe zu Gott zu konzentrieren. Häufig geht man dabei von einem Stufenweg aus, bei dem man mit dem Gesetz (Scharia) beginnend über verschiedene Stufen schließlich zur vollkommenen Erkenntnis und zur „Schau Gottes“ gelangt. Über die Praktizierung der fünf Säulen des Islam hinaus, sind weitere Elemente wichtig: so z. B. der Rückzug in Klausur (Einsamkeit/Stille), die Verrichtung zusätzlicher individueller und gemeinschaftlicher Gebete, Askese, Meditation und Kontemplation. Eine wesentliche Rolle spielt meist insbesondere das „Gottgedenken“ (arab. dhikr), bei dem „mantraartig“ die schönsten Namen Allahs und andere heilige Formeln (etwa das Aufsagen der Silben „ya allah“) über längere Zeit wiederholt werden. Durch mystische Übungen der Versenkung in Gott (wie z. B. Tänze im Mevlevi-Orden) soll das Aufgehen des eigenen Seins in Gott erstrebt werden – also eine existentielle Erfahrung der Einheit mit Gott.

Die Sehnsucht nach mystischer Erfahrung, nach Gottesliebe und Einssein mit Gott ist ein allgemeines Phänomen, das sich mehr oder weniger in allen Religionen findet. Dass es hier um mehr geht, als um bloße Erfüllung von Gesetzen, lässt den Sufismus vielleicht zunächst als tolerant erscheinen; meist ist er jedoch an gewissenhafte Ritenerfüllung als Grundlage gebunden. Biblisch-theologisch betrachtet spiegelt sich im Sufismus, wie in allen mystischen Bewegungen innerhalb der Religionen, letztlich das Bedürfnis des Menschen nach einer liebevollen Beziehung zu seinem Schöpfer. Das biblische Menschenbild spricht deutlich davon, dass der Mensch für eine persönliche Beziehung zu Gott geschaffen wurde und nur darin seine Erfüllung findet. Diese tiefste Sehnsucht des Menschen kann durch eine Gesetzesreligion allein nicht gestillt werden. Der Sufismus ist nun als Versuch zu verstehen, dieses menschliche Bedürfnis auf Grundlage der islamischen Religion oder zumindest von ihr ausgehend zu stillen. Letztlich zum Ziel kommen kann diese menschliche Sehnsucht jedoch nicht über die Beschreitung einer mystischen Stufenleiter von menschlicher Seite aus. Nach biblischem Verständnis ist dies nur möglich über die Person Jesus Christus, in dem Gottheit und Menschheit eins geworden sind. Nur in seinem Heilswerk kann die Trennung zwischen Gott und Menschheit überwunden werden. Anteil an diesem von Gott gewirkten Gnadengeschenk bekommt der Mensch nur im Glauben an Christus, in dem er nun tatsächlich das Einssein mit Gott erfahren darf; nicht im Sinne eines Aufgehens seiner eigenen Person, aber im Sinne einer liebevollen, persönlichen Beziehung. Auf dieser Grundlage bekommen dann auch für den Christen Dinge wie Meditation über Gottes Wort, Gebet und Stille durchaus eine wichtige Bedeutung.


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Veranstalter:
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CVJM Vereinshaus
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Kontakt:
Simone Hillenbach
Tel. 06444 / 922506
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